Du stehst vor der Entscheidung für einen neuen Regenmantel, ein Zelt oder Outdoor-Bekleidung und fragst dich, ob wasserabweisend oder wasserdicht die bessere Wahl für dich ist? Die Begriffe werden oft synonym verwendet, doch sie beschreiben grundlegend unterschiedliche Eigenschaften von Textilien, die entscheidend für ihren Einsatzzweck sind.
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Der Kernunterschied: Wasserabweisend vs. Wasserdicht
Der entscheidende Unterschied zwischen wasserabweisenden und wasserdichten Stoffen liegt in der Art und Weise, wie sie mit Wasser interagieren. Ein wasserabweisender Stoff lässt Wasser an der Oberfläche abperlen, ohne tief einzudringen. Dies wird oft durch spezielle Beschichtungen oder Imprägnierungen erreicht, die die Oberflächenspannung des Wassers erhöhen. Bei längerem oder stärkerem Wasserkontakt kann Wasser jedoch langsam durch den Stoff dringen. Ein wasserdichter Stoff hingegen verhindert, dass Wasser überhaupt den Stoff durchdringt. Dies wird in der Regel durch eine sehr dichte Webart, eine Membran oder eine dicke Beschichtung erreicht, die eine physische Barriere gegen Wasser bildet.
Wie wasserabweisende Stoffe funktionieren
Wasserabweisung, oft auch als Hydrophobie bezeichnet, basiert auf dem Prinzip der Oberflächenspannung. Spezielle chemische Behandlungen, wie zum Beispiel die Aufbringung von Fluorcarbonen (langkettige Fettsäureester) oder modernen polymeren Beschichtungen, verändern die Oberflächenenergie des Textils. Diese Behandlung sorgt dafür, dass Wassertropfen eine runde Form behalten und nicht auf der Faseroberfläche zerlaufen und somit eindringen können. Stattdessen perlt das Wasser ab. Diese Eigenschaft ist ideal für leichte Schauer, kurzzeitigen Kontakt mit Feuchtigkeit oder Spritzwasser. Die Atmungsaktivität des Stoffes bleibt bei wasserabweisenden Materialien in der Regel gut erhalten, da die Poren des Gewebes nicht vollständig verschlossen sind.

Anwendungsbereiche für wasserabweisende Stoffe
- Leichte Regenjacken für den Stadtgebrauch
- Wanderbekleidung für moderate Wetterbedingungen
- Rucksäcke und Taschen, die vor leichtem Spritzwasser schützen sollen
- Zelte für Camping bei trockenem Wetter
- Outdoor-Möbelbezüge
Wie wasserdichte Stoffe funktionieren
Wasserdichtigkeit bedeutet, dass kein Wasser durch den Stoff gelangen kann, unabhängig von der Einwirkungsdauer oder dem Druck. Dies wird durch mehrere Mechanismen erreicht:
- Dichte Webart: Sehr eng gewebte Stoffe mit feinen Fasern können eine natürliche Wasserdichtigkeit aufweisen, sind aber oft weniger atmungsaktiv.
- Membranen: Die gängigste Methode sind spezielle Membranen, die zwischen zwei Stoffschichten laminiert werden. Diese Membranen sind mikroskopisch klein und haben Poren, die groß genug sind, um Wasserdampf (Schweiß) entweichen zu lassen, aber zu klein für flüssiges Wasser, um einzudringen. Bekannte Beispiele sind Gore-Tex, eVent oder SympaTex.
- Beschichtungen: Eine dicke, flexible und dichte Beschichtung auf der Innenseite des Stoffes kann ebenfalls Wasserdichtigkeit gewährleisten. Polyurethan (PU) oder Silikon sind hier gängige Materialien.
- Versiegelte Nähte: Selbst der beste wasserdichte Stoff ist nutzlos, wenn Wasser durch die Nähte eindringt. Bei wirklich wasserdichten Produkten werden die Nähte daher zusätzlich mit speziellen Bändern oder Klebstoffen versiegelt.
Die Wasserdichtigkeit wird in der Regel in Millimetern Wassersäule (mm H2O) gemessen. Ein Wert über 10.000 mm gilt als sehr gut wasserdicht und ist für anspruchsvolle Outdoor-Aktivitäten geeignet.
Anwendungsbereiche für wasserdichte Stoffe
- Hochleistungs-Regenbekleidung für extreme Wetterbedingungen
- Schnee- und Skibekleidung
- Professionelle Kletter- und Bergsteigerbekleidung
- Wasserdichte Zelte und Tarps für Expeditionen
- Schutzbekleidung in maritimen Umgebungen
Die Rolle von Imprägnierung und Beschichtung
Sowohl wasserabweisende als auch wasserdichte Stoffe können von zusätzlichen Behandlungen profitieren. Bei wasserabweisenden Stoffen ist die Imprägnierung die primäre Funktion, um das Abperlen von Wasser zu gewährleisten. Diese Imprägnierung kann mit der Zeit nachlassen und muss erneuert werden, um die volle Leistungsfähigkeit zu erhalten. Bei wasserdichten Stoffen kann eine zusätzliche wasserabweisende Außenschicht (DWR – Durable Water Repellent) dazu beitragen, dass Wasser an der Oberfläche abperlt, anstatt sich im Obermaterial festzusetzen. Dies schützt die Membran und verbessert die Atmungsaktivität, da das Material nicht durchtränkt wird und somit auch weniger Wärme speichert.
Atmungsaktivität: Ein wichtiger Faktor
Ein häufig übersehener, aber entscheidender Aspekt bei der Wahl von Textilien für Outdoor-Aktivitäten ist die Atmungsaktivität. Während ein wasserabweisender Stoff in der Regel sehr atmungsaktiv ist, kann ein vollständig wasserdichter Stoff die Atmungsaktivität einschränken. Moderne Technologien mit Membranen versuchen hier, ein Gleichgewicht zu schaffen, indem sie Wasserdampf (Schweiß) entweichen lassen, aber flüssiges Wasser draußen halten. Die Messung der Atmungsaktivität erfolgt oft über die sogenannte Wasserdampfdurchlässigkeit (MVTR – Moisture Vapor Transmission Rate), gemessen in Gramm pro Quadratmeter pro 24 Stunden (g/m²/24h).
Vergleichstabelle: Wasserabweisend vs. Wasserdicht
| Merkmal | Wasserabweisend | Wasserdicht |
|---|---|---|
| Wasserdurchlässigkeit | Lässt Wasser abperlen, kann bei längerem Kontakt durchdringen | Verhindert das Eindringen von Wasser vollständig |
| Funktionsweise | Oberflächenspannung, Imprägnierung | Dichte Webart, Membranen, Beschichtungen, versiegelte Nähte |
| Schutz bei | Leichten Schauern, kurzem Wasserkontakt | Starkem Regen, dauerhaftem Wasserkontakt, extremen Bedingungen |
| Atmungsaktivität | Sehr hoch | Variabel, bei Membranstoffen gut bis sehr gut |
| Einsatzgebiete | Alltagskleidung, moderate Outdoor-Aktivitäten | Extremwetter, professionelle Outdoor-Sportarten, Expeditionen |
| Pflege | Regelmäßige Erneuerung der Imprägnierung | Schonende Reinigung, ggf. Erneuerung der DWR-Beschichtung |
Wasserdichtigkeit und Wassersäule: Was bedeuten die Werte?
Die Wasserdichtigkeit wird quantitativ durch die sogenannte Wassersäule (gemessen in Millimetern Wassersäule, mm H2O) angegeben. Hierbei wird ein Stoff einem Wasserdruck ausgesetzt, bis er durchweicht. Der Wert gibt an, bis zu welcher Höhe einer Wassersäule der Stoff dicht hält. Eine höhere Wassersäule bedeutet eine höhere Wasserdichtigkeit.
- 5.000 – 10.000 mm: Gut wasserabweisend bis mäßig wasserdicht. Geeignet für gelegentlichen Einsatz bei Regen.
- 10.000 – 20.000 mm: Wasserdicht. Für viele Outdoor-Aktivitäten wie Wandern und Radfahren ausreichend.
- Über 20.000 mm: Sehr gut wasserdicht. Für extreme Bedingungen, Bergsteigen oder langes Verweilen im Regen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Wasserdichtigkeit auch von der Belastung des Materials abhängt. Hoher Druck, wie z.B. beim Sitzen auf einem nassen Untergrund, kann die Durchlässigkeit erhöhen.
Pflege von wasserabweisenden und wasserdichten Textilien
Damit deine Outdoor-Kleidung lange ihre Funktion behält, ist die richtige Pflege entscheidend:
- Reinigung: Verwende spezielle Waschmittel für Funktionsbekleidung und vermeide Weichspüler sowie aggressive Reiniger. Wasche laut Herstellerangaben, oft bei niedrigen Temperaturen.
- Trocknung: Lufttrocknung ist meist die beste Option. Vermeide hohe Temperaturen oder direkte Sonneneinstrahlung, die Materialien beschädigen können.
- Imprägnierung auffrischen: Sowohl wasserabweisende als auch wasserdichte Textilien mit DWR-Beschichtung verlieren mit der Zeit ihre Fähigkeit, Wasser abzuweisen. Regelmäßiges Auffrischen der Imprägnierung (z.B. mit Sprays oder Waschmitteln mit Imprägnierfunktion) erhält die Leistungsfähigkeit und Atmungsaktivität. Dies ist bei wasserabweisenden Stoffen essenziell, bei wasserdichten Stoffen unterstützt es die Funktion der Membran und die Ästhetik des Materials.
- Nahtpflege: Bei sehr hochwertigen wasserdichten Kleidungsstücken kann es sinnvoll sein, auch die Nähte auf ihre Integrität zu prüfen und gegebenenfalls nachzuversiegeln.
Wann ist wasserabweisend ausreichend?
Wenn du im Alltag unterwegs bist und nur gelegentlich mit leichtem Regen oder Spritzwasser in Berührung kommst, ist ein wasserabweisendes Kleidungsstück oft die praktischere Wahl. Es ist in der Regel leichter, flexibler und atmungsaktiver als ein vollständig wasserdichtes Modell. Typische Beispiele sind leichte Regenjacken für den Stadtbummel, winddichte Laufjacken oder Funktionsshirts, die dich vor leichtem Nieselregen schützen.
Wann benötigst du unbedingt wasserdicht?
Für ernsthafte Outdoor-Aktivitäten, bei denen du dich längere Zeit im Freien aufhältst und dich auf zuverlässigen Schutz vor starkem Regen, Schnee oder Nässe verlassen musst, ist ein wasserdichtes Material unerlässlich. Dazu gehören:
- Wanderungen und Trekkingtouren in regenreichen Gebieten
- Bergsteigen und Klettern
- Wintersportarten
- Camping bei unsicherer Wetterlage
- Einsatzbekleidung für den professionellen Bereich
Technologien und Materialien im Überblick
Die Welt der Textiltechnologien ist vielfältig. Einige der bekanntesten Technologien und Materialien, die für ihre wasserabweisenden oder wasserdichten Eigenschaften bekannt sind, umfassen:
- Gore-Tex: Eine weit verbreitete ePTFE-Membran, die für ihre hohe Wasserdichtigkeit und gute Atmungsaktivität bekannt ist. Es gibt verschiedene Varianten für unterschiedliche Anwendungsbereiche.
- eVent: Eine weitere Hochleistungs-Membran, die für ihre direkte Atmungsaktivität (keine Beschichtung, die erst durchfeuchtet werden muss) geschätzt wird.
- SympaTex: Eine hydrophile (wasseranziehende) Membran, die Feuchtigkeit durch chemische Prozesse nach außen transportiert und so für Atmungsaktivität sorgt.
- Coated Fabrics (beschichtete Stoffe): Hier werden Stoffe mit einer Schicht aus Polyurethan (PU) oder PVC beschichtet, um sie wasserdicht zu machen. Oftmals preisgünstiger, aber tendenziell weniger atmungsaktiv.
- Wachsimprägnierung: Traditionelle Methode, die oft bei Baumwollstoffen wie z.B. Wachsjacken angewendet wird. Bietet guten Wetterschutz, muss aber regelmäßig erneuert werden und ist weniger atmungsaktiv als Membranen.
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FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Wasserabweisend oder Wasserdicht: Was ist bei Stoffen der Unterschied?
Ist ein Stoff, der „wasserabweisend“ ist, auch „wasserdicht“?
Nein, ein wasserabweisender Stoff ist nicht dasselbe wie ein wasserdichter Stoff. Wasserabweisung bedeutet, dass Wasser an der Oberfläche abperlt und nicht sofort eindringt, aber bei längerem oder stärkerem Wasserkontakt kann es doch durchdringen. Wasserdichtigkeit hingegen bedeutet, dass kein Wasser den Stoff passieren kann.
Wie kann ich die Wasserdichtigkeit eines Stoffes erkennen?
Die Wasserdichtigkeit wird oft durch einen Wert in Millimetern Wassersäule (mm H2O) angegeben. Je höher dieser Wert ist, desto wasserdichter ist der Stoff. Bei wasserabweisenden Stoffen gibt es oft keine genaue Angabe in mm H2O, sondern es wird auf die Oberflächenbehandlung (Imprägnierung) verwiesen.
Was bedeutet DWR-Beschichtung?
DWR steht für Durable Water Repellent und bezeichnet eine langlebige wasserabweisende Beschichtung auf der Außenseite von Textilien. Diese Beschichtung sorgt dafür, dass Wasser von der Oberfläche abperlt und verhindert, dass das Material durchweicht. Sie ist wichtig für die Funktion von wasserdichten Membranen, da sie die Atmungsaktivität unterstützt.
Muss ich wasserdichte Kleidung regelmäßig nachimprägnieren?
Ja, die DWR-Beschichtung auf wasserdichten Kleidungsstücken nutzt sich mit der Zeit ab. Eine regelmäßige Auffrischung der Imprägnierung (ca. 1-2 Mal pro Jahr, je nach Nutzung) ist notwendig, um die wasserabweisende Funktion der Außenschicht zu erhalten und die Atmungsaktivität der Membran zu unterstützen.
Sind wasserdichte Stoffe immer unflexibel und steif?
Nicht unbedingt. Moderne wasserdichte Membranstoffe, wie sie in hochwertiger Outdoor-Bekleidung verwendet werden, sind oft sehr flexibel und atmungsaktiv. Sehr preisgünstige, dick beschichtete Stoffe können jedoch steifer und weniger atmungsaktiv sein.
Kann ich einen Stoff, der nur wasserabweisend ist, für Trekking im Regen verwenden?
Für kurzzeitige, leichte Regenschauer kann ein wasserabweisender Stoff ausreichen. Für längere Touren oder bei starkem Regen ist jedoch ein wirklich wasserdichter Stoff unerlässlich, um trocken zu bleiben und Unterkühlung zu vermeiden.
Wie wichtig ist die Atmungsaktivität bei wasserdichten Stoffen?
Die Atmungsaktivität ist bei wasserdichten Stoffen extrem wichtig, um den Tragekomfort zu gewährleisten. Wenn der Stoff zwar kein Wasser von außen hereinlässt, aber auch den vom Körper produzierten Schweiß nicht nach außen transportiert, fühlst du dich schnell nass und klamm. Hochwertige Membranen sind darauf ausgelegt, diesen Feuchtigkeitstransport zu ermöglichen.